Erhalten Sie 5% Rabatt mit dem Code
MYESIMNOW5
close-icon-modal
Meine eSIM kaufen
Trustpilot

Pizza in Rom, Paella in Valencia, Croissants in Paris – klar, die kennst du. Aber hast du schon mal einen Eintopf gelöffelt, den man in Madrid am liebsten sonntags mit der ganzen Familie isst? Oder eine Fischdose geöffnet, bei der selbst die Schweden lieber nach draußen gehen? Europäisches Essen hat so viel mehr zu bieten als die üblichen Verdächtigen – und genau darum geht’s hier.

Wir nehmen dich mit auf eine kulinarische Rundreise in zehn Etappen: von den Puddingtörtchen Lissabons die Atlantikküste hinauf, über die Nordsee nach Skandinavien, quer durch Mitteleuropa und über die Alpen bis ans Mittelmeer, wo in Thessaloniki schon das Frühstück auf dich wartet. Damit wir dir nicht nur Reiseführerwissen auftischen, haben wir bei unseren Kollegen nachgefragt, die in Madrid, London und Rom zu Hause sind. Ihre Tipps findest du in keinem Restaurantführer.

Also: Gabel raus, Hose mit Gummizug an – los geht’s! 🍴

Die Gerichte – eine Rundreise in 10 Etappen 

Pastéis de Nata auf einem Teller in Lissabon.

Die Geschichte dahinter beginnt hinter Klostermauern. Das Rezept stammt aus dem Hieronymuskloster im Stadtteil Belém. Als Portugal 1834 alle Klöster schloss, musste das Klosterpersonal sehen, wo es bleibt – und so verkaufte jemand aus dem Kloster die süßen Teilchen in einem kleinen Laden, der zu einer Zuckerrohrraffinerie nebenan gehörte. Belém lag damals noch weit vor den Toren Lissabons und war vor allem per Dampfschiff zu erreichen. Die Besucher kamen trotzdem, nicht zuletzt wegen der Törtchen. 1837 begann dort die Produktion nach dem geheimen Klosterrezept, und die Confeitaria Pastéis de Belém gibt es bis heute. Das Rezept kennen angeblich nur die Konditormeister, die in einer „geheimen Werkstatt“ von Hand backen.

Übrigens: „Pastel de Belém“ dürfen sich nur die Törtchen aus genau dieser Konditorei nennen. Überall sonst in Portugal heißen sie Pastel de Nata.

Wo du es probieren solltest: Der Klassiker ist natürlich Pastéis de Belém in der Rua de Belém 84–92 – ideal kombiniert mit einem Besuch im Hieronymuskloster gleich nebenan. Ein Törtchen kostet dort rund 1,40 €. Mindestens genauso beliebt ist Manteigaria mit mehreren Filialen in der Stadt, unter anderem am Rossio und im Time Out Market, für etwa 1,30 €.

Naschkatzen-Tipp: Zimt und Puderzucker stehen in kleinen Streuern auf dem Tisch. Bestäubt wird selbst – und zwar so großzügig, wie du magst. ☕

Eine leckere Cocido madrileño serviert in einem Suppenteller.

Von Lissabon geht’s weiter nach Madrid – und dort wartet das genaue Gegenteil eines schnellen Snacks. Für den Cocido madrileño braucht man Zeit, Hunger und am besten gute Gesellschaft. Kichererbsen, Kartoffeln, Karotten und Weißkohl köcheln stundenlang mit Rindfleisch, Speck, Chorizo, Blutwurst und Huhn in einem Topf. Unsere Kollegin Ana, die in Madrid lebt, bringt es auf den Punkt: Für sie ist der Cocido „wahrscheinlich das typischste Gericht der Stadt“.

Das Besondere ist, wie er auf den Tisch kommt. Alles stammt aus demselben Topf, wird aber in mehreren Gängen serviert, den sogenannten vuelcos. Zuerst kommt die Brühe als Nudelsuppe, danach Kichererbsen und Gemüse und zum Schluss das Fleisch. Je nach Lokal sind es zwei, drei oder sogar vier Gänge. Seine Wurzeln reichen bis zur olla podrida zurück, einem deftigen Eintopf, der schon im 16. Jahrhundert erwähnt wird. Seit Februar 2026 steht der Cocido madrileño offiziell als immaterielles Kulturgut der Region Madrid unter Schutz.

Ein Gericht für einen schnellen Lunch ist der Cocido nicht, sondern eines für lange Nachmittage. Ana erklärt: „Man isst ihn im Winter oder wenn es kalt ist, meistens als ausgedehntes Sonntagsessen mit der Familie zu Hause.“ Viele Madrileños verbinden damit ein echtes Großmutter-Rezept.

Wo du es probieren solltest: In der Taberna La Bola, die es seit 1870 gibt, gart jeder Cocido einzeln in seinem eigenen Tontopf über Holzkohle. Er kostet dort 24,50 €. Bei Malacatín, wo nach einem Rezept von 1895 gekocht wird, zahlst du für den kompletten Cocido 25 €. Wer nur mal kosten möchte, bekommt dort an der Bar auch eine kleinere Portion. Für einen besonderen Anlass gibt es Lhardy (seit 1839), wo der Cocido auf Silbertabletts serviert wird, für 65 €.

Tipp: Unbedingt vorher die Tage checken! Viele Restaurants bieten den Cocido nur an bestimmten Wochentagen an, und gerade in den kalten Monaten lohnt sich eine Reservierung. Und plane danach nichts Anstrengendes ein – eine Siesta ist nach diesem Festmahl keine Schwäche, sondern Pflicht. 🍲

Eine schmackhafte Bouillabaisse

Weiter geht’s entlang der Mittelmeerküste nach Marseille, wo eine Fischsuppe fast so ernst genommen wird wie der örtliche Fußballklub. Dabei begann die Bouillabaisse ganz bescheiden: Die Fischer kochten für ihre Familien, was beim Sortieren des Fangs übrig blieb und sich nicht verkaufen ließ. Aus diesem Resteessen ist im Laufe der Zeit eine Spezialität geworden, für die man heute in guten Restaurants tief in die Tasche greift.

Der Name verrät übrigens das Kochgeheimnis. Sobald die Brühe sprudelnd kocht, wird die Hitze reduziert, damit der Fisch sanft garen kann – auf Provenzalisch-Französisch heißt das in etwa „wenn’s kocht, dreh runter“ (bouillir und abaisser). In die Brühe kommen Olivenöl, Knoblauch, Zwiebeln, Fenchel, Tomaten, Kartoffeln und vor allem Safran, der ihr die typische goldene Farbe gibt.

Weil irgendwann jedes Lokal seine Fischsuppe „Bouillabaisse“ nannte, haben Marseiller Gastronomen 1980 eine Charta aufgesetzt. Darin ist genau festgelegt, was in eine echte Bouillabaisse gehört: mindestens vier Sorten aus einer festen Liste von Mittelmeerfischen, darunter der Drachenkopf (rascasse), Seeteufel, Petersfisch und Meeraal. Serviert wird sie traditionell in zwei Teilen – die Brühe für sich und der Fisch auf einer Platte, der direkt am Tisch filetiert wird. Dazu gibt es Croûtons mit Knoblauch und Rouille, eine würzige Mayonnaise mit Safran und Chili.

Wo du es probieren solltest: Am Alten Hafen ist das Le Miramar ein Klassiker, das 1980 zu den Gründungsmitgliedern der Charta gehörte. Mit Blick aufs Meer isst du im Chez Fonfon im malerischen Fischerhafen Vallon des Auffes, wo die Bouillabaisse seit drei Generationen in Familienhand gekocht wird. Ein weiterer Klassiker ist Chez Michel an der Plage des Catalans, das es seit 1946 gibt. Rechne mit etwa 65 bis 80 €, bei Sterneköchen auch mit deutlich mehr.

Tipp: Die Bouillabaisse wird meist erst ab zwei Personen serviert und sollte am besten vorher reserviert werden. Ein Mittagessen für zwischendurch ist sie also eher nicht – plane lieber einen langen Abend am Hafen ein. 🐟

Fish and Chips mit Krautsalat.

Von Marseille geht’s über den Ärmelkanal nach London, und dort hat der Fisch eine ganz andere Kruste: knusprigen Backteig statt Safranbrühe. Außen goldbraun, innen zarter, weißer Fisch, dazu dicke Pommes – die Briten sagen Chips – mit ordentlich Salz und Essig. Klingt simpel? Ist es auch. Und genau deshalb lieben es die Briten seit über 150 Jahren.

Seinen Ursprung hat das Gericht in den Arbeitervierteln des 19. Jahrhunderts. Jüdische Einwanderer brachten die Tradition des frittierten Fischs mit nach England, während frittierte Kartoffeln im Norden des Landes populär wurden. Wer die beiden zuerst zusammengebracht hat, ist bis heute umstritten. Der Londoner Joseph Malin soll um 1860 im East End den ersten Fish-and-Chips-Laden eröffnet haben, und der Verband der britischen Fischbrater hat ihn offiziell als Pionier anerkannt. Doch im Norden Englands macht ihm John Lees diesen Titel streitig, der etwa zur selben Zeit in Mossley Fisch mit Pommes verkaufte. Einig ist man sich nur in einem: Ohne Fish and Chips ist England nicht England.

Wo es die besten gibt, darüber wird in London gerne diskutiert. Unsere Kollegin Mahnoor, die in London lebt, hat eine klare Meinung: „Fish and Chips sind ein Klassiker, an dem kein Weg vorbeiführt – und richtig gute bekommst du bei Golden Union in der Poland Street.“

Wo du es probieren solltest: Golden Union findest du seit 2008 in der Poland Street 38 in Soho, nur wenige Gehminuten von der U-Bahn-Station Oxford Circus entfernt. Perfekt also für eine Pause nach der Shoppingtour oder zwischen zwei Londoner Sehenswürdigkeiten. Neben Kabeljau stehen dort auch Schellfisch, Scholle und Seelachs auf der Karte, dazu hausgemachte Erbsenpüree (Mushy Peas) und Remoulade.

Tipp: Salz und Essig gehören einfach dazu – trau dich! Und wer nach dem Fischimbiss noch Lust auf Sunday Roast oder Afternoon Tea hat, findet in unserem Überblick zum Essen in London reichlich Nachschub. 🍟

Ein Teller mit Surströmming und Pellkartoffeln auf einem liebevoll gedecktem Tisch.

Von London geht’s über die Nordsee nach Skandinavien – und jetzt wird’s mutig. Surströmming ist ein leicht gesalzener, vergorener Ostseehering und gilt als eine der geruchsintensivsten Spezialitäten der Welt. Selbst viele Schweden öffnen die Dose lieber draußen. Und das hat einen Grund: Der Fisch gärt in der Dose weiter, der Deckel wölbt sich nach oben, und beim Öffnen schießt gerne mal ein Schwall Lake heraus, deren Duft sich nicht so schnell verabschiedet.

Entstanden ist das Ganze aus der Not. Der Legende nach war der Heringsfang vor der Insel Ulvön an der Höga Kusten eines Sommers so groß, dass das Salz rationiert werden musste – der knapp gesalzene Fisch begann zu gären. Die armen Fischer aßen ihn trotzdem und stellten fest: schmeckt eigentlich gar nicht schlecht. Später wurde Surströmming zum Alltagsessen der Bauern und sogar zum Proviant der schwedischen Armee, weil er sich so lange hält.

Bis 1998 war sogar gesetzlich geregelt, wann die neue Saison beginnen durfte: am dritten Donnerstag im August. Diese Surströmmingspremiär feiern viele bis heute, und Ende August bis Anfang September ist die beliebteste Zeit für ein Surströmming-Fest. Gegessen wird der Hering klassisch in dünnem Fladenbrot (tunnbröd), mit kleinen Kartoffeln, gehackten roten Zwiebeln, Sauerrahm und Dill. Dazu gibt’s Bier und einen Schnaps – und der ist hier vielleicht nicht nur Tradition. 😉

Wo du es probieren solltest: In Stockholm bieten traditionsreiche Restaurants wie Tennstopet, Sturehof und Knut den Hering in der Saison an. Sturehof am Stureplan feiert die Premiere sogar mit einer eigenen Party: Ein Surströmming-Brot vom Stand vor dem Restaurant kostet dort 95 SEK (ca. 8 €), das komplette Menü auf der Terrasse 595 SEK (ca. 53 €). Wer es ganz authentisch mag, fährt an die Höga Kusten: Auf Ulvön erzählt das Ulvö-Museum die Geschichte der Heringsfischerei. Gegessen wird der Fisch auf dem Festland, etwa im Restaurant Fiskevistet in Skeppsmalen.

Tipp: Wenn du eine Dose selbst öffnest, dann am besten draußen und in einer Schüssel mit Wasser – so hält sich die Spritzerei in Grenzen. Und als Mitbringsel für zu Hause? Lieber nicht im Koffer: Mehrere Fluggesellschaften haben Surströmming schon 2006 verboten, weil die Dosen unter Druck stehen. 🐟

Ein Teller, auf dem Pierogi ansprechend angerichtet sind.

Von Schweden geht’s über die Ostsee nach Polen, und nach dem Heringsabenteuer wird’s wieder gemütlich. Pierogi sind halbmondförmige Teigtaschen, die gekocht oder in der Pfanne gebraten werden – und die Polen haben für fast jede Laune die passende Füllung parat. Herzhaft mit Fleisch, mit Sauerkraut und Pilzen oder im Sommer süß mit frischen Beeren und einem Klecks Sahne: Langweilig wird’s mit Pierogi garantiert nicht.

Der Klassiker schlechthin sind die Pierogi ruskie, gefüllt mit Kartoffeln, Quark und Zwiebeln – und damit ganz nebenbei die perfekte Wahl für Vegetarier. Der Name sorgt bei vielen Reisenden für Verwirrung, denn mit Russland haben die Teigtaschen nichts zu tun. „Ruskie“ bezieht sich auf die Rotruthenien (Ruś Czerwona), eine historische Region im heutigen Grenzgebiet zwischen Polen und der Ukraine. Früher kamen übrigens nur Kartoffeln und Schmalz hinein. Wer es sich leisten konnte, gab noch Käse dazu.

Wie ernst die Polen ihre Teigtaschen nehmen, zeigt sich jedes Jahr im August in Krakau: Beim Pierogi-Festival auf dem Kleinen Markt (Mały Rynek) in der Altstadt treten Restaurants gegeneinander an. Der Preis für die besten Pierogi ist eine Statuette des heiligen Jacek, der in Polen als Schutzpatron der Pierogi gilt.

Wo du es probieren solltest: In Krakau bekommst du bei Przystanek Pierogarnia in der Bonerowska 14 eine Portion schon ab 18 zł (ca. 4 €). Eine große Auswahl an Füllungen gibt es auch bei Pierogarnia Krakowiacy in der Szewska 23, nur wenige Schritte vom Hauptmarkt entfernt. Besonders günstig isst du in einer Bar mleczny, einer der traditionellen Milchbars, in denen seit Jahrzehnten einfache polnische Hausmannskost auf den Tisch kommt.

Tipp: Die Qual der Wahl? Viele Pierogarnias bieten gemischte Teller mit verschiedenen Sorten an. So kannst du dich einmal quer durch die Füllungen probieren. 🥟

Ein Bild einer leckeren Currywurst.

Von Krakau ist es nur ein Katzensprung nach Berlin, und hier wartet ein Gericht, das du zwar kennst, aber vermutlich noch nie mit Geschichtsbewusstsein gegessen hast. Die Currywurst gilt als Berlins inoffizielles Wahrzeichen zum Essen: eine Brühwurst in Scheiben, darüber eine würzige Tomatensoße und eine kräftige Prise Currypulver, dazu Pommes oder ein Brötchen. Schnell, günstig und an fast jeder Ecke zu haben.

Erfunden hat sie – zumindest nach Berliner Lesart – Herta Heuwer. Am 4. September 1949 mischte sie an ihrem Imbissstand in Charlottenburg Tomatenmark, Worcestershiresoße und Currypulver zu einer neuen Soße. 1959 ließ sie den Namen „Chillup“ beim Patentamt als Marke eintragen, eine Mischung aus Chili und Ketchup. Das Rezept selbst blieb ihr Geheimnis, sie nahm es 1999 mit ins Grab. Heute erinnert eine Gedenktafel an der Kantstraße 101, Ecke Kaiser-Friedrich-Straße, an sie.

Ganz unumstritten ist der Titel allerdings nicht. Hamburg und das Ruhrgebiet erheben ebenfalls Anspruch auf die Erfindung, und Duisburg will die Wurst mit Currysoße schon 1936 serviert haben. Wer sie wirklich erfunden hat, weiß bis heute niemand. Einig sind sich alle nur darin, dass sie schmeckt.

Wo du es probieren solltest: Eine echte Institution ist Konnopke’s Imbiss an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg, direkt unter den Bögen der U-Bahn-Linie U2. Den Stand gibt es seit 1930, und die Currywurst kommt hier traditionell ohne Darm auf den Teller. In Kreuzberg stehen die Leute bei Curry 36 am Mehringdamm gerne Schlange. Und wer kein Fleisch isst, bekommt bei Witty’s am Wittenbergplatz auch eine vegane Variante.

Tipp: Die Gretchenfrage am Berliner Imbiss lautet: mit oder ohne Darm? Ohne Darm ist die klassische Ost-Berliner Variante, und viele Berliner schwören darauf. Probier einfach beide und entscheide selbst! 🌭

Pasta all’Amatriciana (Italien) – Roms heimlicher Pasta-Star.

Von Berlin geht’s über die Alpen nach Rom, und dort wartet eine Überraschung. Wer an römische Pasta denkt, hat meist sofort Carbonara im Kopf. Unser Kollege Riccardo, der in Rom lebt, sieht das anders: „Amatriciana ist die meistgegessene Pasta in Rom, auch wenn sie außerhalb Italiens weniger bekannt ist.“

Und das ist ein Fehler, denn das Rezept ist so einfach wie genial. Knusprig ausgelassener Guanciale (die luftgetrocknete Schweinebacke), Tomaten, ein Schuss trockener Weißwein, etwas Peperoncino und zum Schluss reichlich geriebener Pecorino. Fertig ist eine Soße, die salzig, leicht süßlich und angenehm scharf zugleich ist. Zwiebeln oder Knoblauch? Haben darin nichts verloren – und wer in Rom danach fragt, erntet bestenfalls einen mitleidigen Blick.

Ihren Namen verdankt die Pasta dem Bergstädtchen Amatrice nordöstlich von Rom. Dort sollen Hirten sie erfunden haben: Ursprünglich aßen sie Pasta nur mit Guanciale und Pecorino – die sogenannte Gricia –, später kamen die Tomaten dazu. Wie stolz man in Amatrice auf dieses Erbe ist, zeigt ein Datum: Am 6. März 2020 hat die EU die Amatriciana als „garantiert traditionelle Spezialität“ anerkannt. Seit 2026 wird an diesem Tag sogar der internationale Tag der Amatriciana gefeiert. Laut dem offiziellen Rezept gehören übrigens Spaghetti dazu, in Rom bekommst du sie aber genauso oft mit Bucatini oder Rigatoni.

Wo du es probieren solltest: In Trastevere ist Da Enzo al 29 in der Via dei Vascellari eine beliebte Adresse für römische Klassiker. Nur ein paar Schritte entfernt, auf der Tiberinsel, liegt die Trattoria Sora Lella, und in der Nähe des Pantheons kocht Armando al Pantheon seit Jahrzehnten traditionelle römische Küche. Wer danach Lust auf mehr hat, findet in unserem Guide zum italienischen Essen noch viele weitere Spezialitäten.

Local-Tipp: Pecorino ja, Parmesan nein! Die Amatriciana bekommt ihren würzigen Geschmack vom kräftigen Schafskäse. Wenn dir der Kellner also keinen Parmesan anbietet, ist das kein schlechter Service, sondern Tradition. 🍝

Ein leckeres Peka-Gericht.

Von Rom geht’s über die Adria nach Dalmatien, und hier lernst du eine ganz neue Form der Geduld kennen. Peka ist nämlich kein einzelnes Rezept, sondern eine uralte Garmethode. Fleisch oder Oktopus kommt mit Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten, Olivenöl und einem Schuss Weißwein in eine flache Form. Darüber wird eine schwere Glocke aus Eisen oder Ton gestülpt – die Peka, in manchen Regionen auch Čripnja genannt. Dann wird alles mit glühender Asche und Holzkohle bedeckt und darf in aller Ruhe vor sich hin schmoren.

Das Ergebnis ist die Wartezeit wert: Das Fleisch gart langsam im eigenen Saft, wird butterzart und fällt fast von selbst vom Knochen, während die Kartoffeln den ganzen Geschmack aufsaugen. Traditionell wird Peka zu Hause gekocht, und viele Familien auf dem Land haben dafür sogar einen eigenen Ofen im Freien. Was in den Topf kommt, hängt von der Jahreszeit ab: An der Küste ist im Sommer Oktopus der Klassiker, in den kühleren Monaten und im Hinterland eher Lamm oder Kalb. Das Lamm unter der Glocke (Janjetina ispod Peke) hat es sogar auf die Liste der 50 besten Lammgerichte der Welt des Food-Portals TasteAtlas geschafft.

Wo du es probieren solltest: In Split bekommst du bei Konoba Fetivi im Altstadtviertel Varoš Oktopus aus der Peka. In der Konoba Komin im Stadtteil Žnjan steht Lamm unter der Glocke auf der Karte. Peka ist ein Gericht zum Teilen und wird meist erst ab zwei Personen zubereitet.

Local-Tipp: Peka bestellt man nicht spontan, sondern vorab! Weil das Gericht je nach Lokal zwischen zweieinhalb und vier Stunden braucht, ruf im Sommer am besten schon einen Tag vorher an. Dann einfach zur verabredeten Zeit kommen, ein Glas dalmatinischen Wein bestellen und genießen, wenn die Glocke am Tisch gelüftet wird. 🐙

Liebevoll angerichtete Bougatsa.

Unsere Rundreise endet, wie sie begonnen hat: mit Blätterteig und Creme. Nur sind wir jetzt ganz im Südosten angekommen, in Thessaloniki, der heimlichen Bougatsa-Hauptstadt Griechenlands. Bougatsa ist eine Teigtasche aus hauchdünnem, hauchzartem Filoteig mit einer Füllung, die je nach Laune süß oder herzhaft ausfällt. Am bekanntesten ist die Variante mit warmer Grießcreme, bestreut mit Puderzucker und Zimt. Herzhaft gibt es sie mit Käse, Hackfleisch oder Spinat.

Ihre Wurzeln reichen bis nach Byzanz zurück. Der Name stammt vom türkischen Wort pogaça (Teig), und schon im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Teigtasche in Istanbul gebacken. Nach Griechenland kam sie mit den Flüchtlingen aus Kleinasien, die sich vor allem in Serres und Thessaloniki niederließen. Einer von ihnen war ein junger Konditorlehrling aus Kappadokien, der 1922 als Flüchtling nach Thessaloniki kam. Sein Sohn eröffnete 1969 die Bäckerei Bantis, die heute sein Enkel Filippos führt. Dort beginnt die Arbeit am Teig schon vor Sonnenaufgang und dauert vier bis fünf Stunden, bevor er hauchdünn ausgezogen wird.

In Thessaloniki ist Bougatsa weit mehr als ein Frühstück, sie ist ein kleines tägliches Ritual. Man isst sie morgens zum Kaffee, als Sonntagsleckerei oder spät in der Nacht nach dem Ausgehen.

Wo du es probieren solltest: Bei Bantis in der Panagias Faneromenis 33, unweit des Dikastirion-Platzes, wird die Creme-Bougatsa an einer Marmortheke serviert. Die Bäckerei öffnet täglich schon um halb sieben. Für Nachtschwärmer ist Bougatsa Giannis in der Mitropoleos 106 die richtige Adresse: Hier gibt’s die Teigtaschen von 20 Uhr abends bis 15 Uhr am nächsten Tag. Und wer nach dem Dessert Lust auf mehr hat, findet in unserem Guide zum Essen in Griechenland noch viele weitere Spezialitäten.

Insider-Tipp: Im Norden Griechenlands wird Bougatsa nach Gewicht verkauft und in mundgerechte Stücke geschnitten. Bestellst du einfach nur „eine Bougatsa“, kommt prompt die Rückfrage, welche Füllung du möchtest – also lieber gleich sagen, ob süß mit Creme (me krema) oder herzhaft mit Käse (me tyri). 🥐

Andere Länder, andere Tischsitten

Zehn Länder, zehn Gerichte – und mindestens genauso viele ungeschriebene Regeln am Tisch. Damit du nicht ins Fettnäpfchen trittst, hier das Wichtigste für deine Rundreise:

Portugal: Trinkgeld ist freiwillig, bei gutem Service sind 5–10 % üblich. Achtung: Brot, Oliven oder Butter landen oft ungefragt auf dem Tisch (couvert) und kosten extra, sobald du zugreifst. Wenn du nichts möchtest, lass es einfach freundlich zurückgehen.

Spanien: Aufrunden oder 5–10 % reichen völlig, in Tapas-Bars gibt man kaum Trinkgeld. Und stell dich auf spätes Abendessen ein: Vor 21:30 Uhr sitzt du meist noch allein im Restaurant.

Frankreich: Der Service ist im Preis enthalten (service compris). Wer zufrieden war, legt 5–10 % drauf. Leitungswasser (carafe d’eau) bekommst du im Restaurant in der Regel kostenlos – einfach danach fragen.

England: Viele Restaurants schlagen automatisch eine Servicegebühr auf, meist 12,5 %. Steht nichts auf der Rechnung, sind 10–15 % üblich. Im Pub gibt man normalerweise kein Trinkgeld.

Schweden: Trinkgeld ist kein Muss, die meisten runden einfach auf. Mittags lohnt sich die Dagens Lunch, ein günstiges Tagesgericht mit Salat, Getränk und Kaffee. Zu Abend gegessen wird früh, oft schon zwischen 17 und 18:30 Uhr.

Polen: In den Restaurants der Großstädte sind rund 10 % üblich, sonst wird aufgerundet. Aber Vorsicht beim Bezahlen: Wer beim Übergeben des Geldes „dziękuję“ (danke) sagt, signalisiert damit, dass das Wechselgeld als Trinkgeld gedacht ist. 

Deutschland: Aufrunden bis etwa 10 %. Das Trinkgeld lässt man nicht auf dem Tisch liegen, sondern sagt den Betrag beim Bezahlen direkt dazu, etwa „25, bitte“ bei einer Rechnung über 22 €.

Italien: Das Coperto (Gedeck mit Brot) steht oft als eigener Posten auf der Rechnung. Das ist normal und kein Trick. Wurden weder Gedeck noch Service berechnet, sind 5–10 % angemessen. An der Bar gibt man kein Trinkgeld.

Kroatien: Im Restaurant sind etwa 10 % üblich. Seit 2024 kannst du Trinkgeld auch ganz unkompliziert mit Karte geben.

Griechenland: In der Taverne rundet man auf, sonst sind 5–10 % üblich. Vor 21 Uhr isst kaum jemand zu Abend. Und oft kommt am Ende ungefragt ein kleines Dessert aufs Haus – griechische Gastfreundschaft eben. 🍽️

Bleib auf deiner Europa-Rundreise immer verbunden 📱

Ob du den Tisch in der Konoba vorbestellst, unterwegs die nächste Bougatsa-Bäckerei suchst oder schnell nachschaust, ob in Italien das Coperto schon auf der Rechnung steht – auf einer kulinarischen Rundreise ist mobiles Internet dein bester Reisebegleiter. Klar, innerhalb der EU surfst du dank Roam like at Home oft zum Inlandstarif. Aber Großbritannien gehört seit dem Brexit nicht mehr automatisch dazu, und bei vielen Tarifen begrenzen Fair-Use-Regeln das Datenvolumen im Ausland.

Mit einer Holafly eSIM für Europa bist du dagegen direkt ab der Landung mit unbegrenzten Daten unterwegs – auch in Großbritannien. Dank Always On bekommst du zusätzlich 1 GB mobile Daten pro Monat als Backup-Daten ohne zusätzliche Kosten. Und wenn du länger unterwegs bist oder deine Rundreise noch weiter ausdehnen willst, lohnt sich ein Blick auf die Holafly Plans im Monatsabo.

Fazit – Europa auf dem Teller: süß begonnen, süß beendet

Von den Puddingtörtchen Lissabons bis zur Bougatsa in Thessaloniki: Unsere Rundreise hat gezeigt, wie viel Geschichte in europäischem Essen steckt. Da ist der Eintopf, der in Madrid den Sonntag bestimmt, die Fischsuppe, für die Marseille sich eigene Regeln gegeben hat, und die Wurst, um deren Erfindung sich drei deutsche Regionen bis heute streiten. Fast jedes Gericht erzählt von Menschen, die aus wenig etwas Großes gemacht haben – von Mönchen, Fischern, Hirten und Flüchtlingen.

Das Schönste daran: Du musst kein Gourmet sein, um diese Geschichten zu schmecken. Es reicht, dich auf einen Platz in der Taverne, einen Stehtisch am Imbiss oder einen langen Sonntag am Esstisch einzulassen. Und vielleicht hast du nach dieser Reise ja schon dein nächstes Ziel gefunden – oder zumindest dein nächstes Lieblingsgericht. Pack deinen Appetit ein und lass es dir schmecken! 🍴

FAQ – deine Fragen zu europäischen Spezialitäten

Welche europäischen Gerichte sollte man probiert haben?

Neben Klassikern wie Pizza und Paella lohnen sich vor allem regionale Spezialitäten, die außerhalb ihres Landes weniger bekannt sind. Dazu gehören Cocido madrileño in Madrid, Pasta all’Amatriciana in Rom, Peka in Dalmatien oder Bougatsa in Thessaloniki. Wer es süß mag, sollte in Lissabon unbedingt ein Pastel de Nata probieren.

Was ist das ungewöhnlichste Essen in Europa?

Ganz vorne dabei ist der schwedische Surströmming, vergorener Ostseehering, der für seinen intensiven Geruch berühmt ist. Die Dose öffnet man am besten draußen und in einer Schüssel mit Wasser. Gegessen wird er in dünnem Fladenbrot mit Kartoffeln, roten Zwiebeln und Sauerrahm.

Wie viel Trinkgeld gibt man in Europa?

Das ist von Land zu Land verschieden. In vielen Ländern sind 5–10 % bei gutem Service üblich, in Schweden rundet man meist nur auf. In England ist häufig schon eine Servicegebühr von 12,5 % auf der Rechnung, und in Italien steht oft das Coperto (Gedeck) als eigener Posten auf der Rechnung. Ein kurzer Blick auf die Rechnung lohnt sich also immer.

Plans that may interest you

Manuela Oswald

Manuela Oswald

Content-Writerin

Ich bin Manuela, eine weltoffene Content-Writerin, Linguistin, Lektorin und Übersetzerin mit über 20 Jahren Berufserfahrung und einer Leidenschaft fürs Storytelling. Ursprünglich aus Deutschland, hat mich meine Abenteuerlust um die Welt geführt - von den sonnigen Stränden Spaniens über das lebhafte Florida und das pulsierende Sydney bis zu meinem jetzigen Zuhause in Tel Aviv. Unter vielen anderen Projekten hatte ich das Vergnügen, für namhafte Hotelketten wie Fattal Hotels und Leonardo Hotels zu schreiben und deren Geschichten zu erzählen. Wenn ich nicht gerade Content kreiere, findet man mich oft ehrenamtlich mit geistig Behinderten arbeitend, beim Schreiben, Lesen und Malen oder bei einem entspannten Ausritt mit Freunden in der Wüste - Inspirationen, die oft in meine Arbeit einfließen. Heute habe ich das Privileg, bei Holafly meine Leidenschaft fürs Reisen mit meiner Liebe zum Schreiben zu verbinden und dich mit hilfreichen Insights und praktischen Reisetipps zu versorgen.

Biografie lesen